Klimaforscher warnen vor der Flut

Die Erde erwärmt sich nach neuen Erkenntnissen schneller als befürchtet. Wissenschaftler sehen Meere und Küstenregionen in großer Gefahr. Veränderungen sind in den vergangenen Jahrmillionen ohne Beispiel.
Von Jürgen Polzin, Essen, Artikel in der WAZ vom 01.06.2006.

Klimaforscher in aller Welt sammeln immer dramatischere Alarmsignale. Neue Gutachten kommen zu dem Ergebnis, dass die Temperaturen auf der Erde schneller als befürchtet ansteigen. Die Natur reagiere darauf heftiger als erwartet. Einig sind sich die Wissenschaftler darin, dass der durch den Menschen verursachte Ausstoß von Treibhausgasen den Prozess der Klimaveränderungen antreibt.

In einem Sondergutachten des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung unter dem Titel Die Zukunft der Meere – zu warm, zu hoch, zu sauer und in einer Presseerklärung zum Sondergutachten sehen die Forscher Weltmeere und Küstenbewohner in allerhöchster Gefahr. Lesen Sie unter http://www.wbgu.de/wbgu_sn2006.html die Zusammenfassung des Gutachtens. Dort gibt es auch einen Link zum gesamten Text des Gutachtens.

Es gebe Anzeichen für einen beginnenden Zerfall der Kontinentaleismassen auf Grönland und in der Antarktis, der in den kommenden Jahrhunderten einen Anstieg des Meeresspiegels von mehreren Metern verursachen könne. Venedig, Sankt Petersburg, aber auch Teile New Yorks würden überflutet. Die Menschheit sei dabei, Veränderungsprozesse im Meer anzustoßen, die in den vergangenen Jahrmillionen ohne Beispiel seien, warnen die Wissenschaftler.
Ohne Klimaschutzmaßnahmen werde der arktische Ozean gegen Ende des Jahrhunderts im Sommer praktisch eisfrei sein. Die Erwärmung und Versauerung der Ozeane bedrohe zudem Fischbestände. Für die Ernährung der Menschheit sei dies ein unkalkulierbares Risiko. Der Weltklimarat, das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), wird im Februar 2007 weitere dramatische Daten zum Klimawandel veröffentlichen. Danach soll es bis zum Ende des Jahrhunderts auf der Erde um bis zu 5,8 °Celsius wärmer werden. Die Wissenschaftler bezweifeln in dem Bericht, dass das Ziel, den Temperaturanstieg auf zwei Grad zu beschränken, überhaupt noch erreicht werden kann, sagte Stephan Singer, Klimaexperte des World Wide Fund for Nature (WWF) in Brüssel, zur WAZ. Einig sind sich die Wissenschaftler darin, dass die Folgen der Klimaveränderungen nicht mehr verhindert sondern nur noch „abgefedert“ werden könnten. Es sei unvermeidlich, den Verbrauch fossiler Brennstoffe weltweit drastisch einzuschränken.

WAZ-Kommentar: Eingeholt

Noch in dieser Generation werden Autos ohne Verbrennungsmotoren fahren und, glaubt man den Klimamodellen, Menschen vor Dürren und steigendem Wasser flüchten. Die Folgen des Klimawandels holen die Menschen ein, noch ehe sie ihre Energieprobleme gelöst haben. Die Zeit des billigen Öls und des bedenkenlosen Verheizens ist vorbei.

Die Landeszeitung (Lüneburg) kommentiert so:

Ist der Umweltschutz gescheitert? Nein, der Abgrund, in den wir gucken, rückt nicht schicksalhaft näher, sondern wegen einer allzu halbherzigen Umweltpolitik. Mittlerweile kann der Klimawandel nicht mehr gestoppt werden. Aber gemildert. Dafür müssten wir aber auf Kassandra hören.

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