Bekämpfung invasiver Neophyten

Der AkU bek√§mpft Herkulesstauden(Riesenb√§renklau) und Indisches (Dr√ľsiges) Springkraut. Die Bek√§mpfung der Herkulesstauden ist dieses Jahr bereits abgeschlossen. An Stellen wo die Mitarbeiter*Innen des AkU`s aktiv sind, ist die Anzahl der Pflanzen bereits stark zur√ľckgegangen. Hier muss in den n√§chsten Jahren weiter die Machete angelegt werden bzw. der Spaten zum Einsatz kommen.

Die Bek√§mpfung des Indischen Springkrautes wird in den n√§chsten Wochen fortgef√ľhrt. Das Ausrei√üen der Pflanzen ist leicht. Sie werden vor Ort belassen. Ein ganzer Bach ist bereits von den Eindringlingen befreit.

Da aber an einigen Stellen in Bochum noch keine Bek√§mpfung der f√ľr die Natur sch√§dlichen Pflanzen stattfindet suchen wir weiter Helfer*Innen. Melden Sie sich bitte unter Tel.: 66444 oder info @aku-bochum.de.

Lesen Sie auch den Artikel Umweltsch√ľtzer bek√§mpfen die bedrohlichen Herkulesstauden¬†in der WAZ vom 10.08.2016

Invasive Neophyten ‚Äď eine Aufgabe f√ľr den Naturschutz

Herkulesstaude

In Bochum kommen einige Pflanzenarten vor, die Natursch√ľtzer vor Aufgaben stellen: Natursch√ľtzer ziehen los, um Pflanzen auszugraben oder auszurei√üen ‚Äď sogar in Schutzgebieten.
Das wirkt auf den ersten Blick √ľberraschend. Bringen wir also Licht ins Dunkle.

Bei den ausgegrabenen Pflanzen handelt es sich um invasive Neophyten. Diese Benennung r√ľhrt nicht von einer nahen Verwandtschaft zueinander her.

  • Mit invasiv wird die Eigenschaft dieser Pflanzen beschrieben, durch ihre Wuchsst√§rke fl√§chendeckende Best√§nde zu bilden und so andere Pflanzen zu verdr√§ngen, da sie diesen das Licht wegnehmen.
  • Mit Neophyten wird darauf verwiesen, dass diese Pflanzen durch menschliche Einflussnahme hierzulande anzutreffen sind.

Problematisch f√ľr Natursch√ľtzer sind geschlossene Pflanzenbest√§nde, weil dadurch die Artenvielfalt begrenzt wird. Versch√§rfend kommt dazu, dass hiervon auch Tiere betroffen sind: Vielfach sind Insekten auf bestimmte Pflanzen angewiesen, deren Verschwinden zum Verschwinden dieser Insektenarten f√ľhrt. Als Folge dessen k√∂nnen auch andere Tierarten ihre Lebengrundlage und Lebensraum verlieren, wenn sie auf eine gro√üe Zahl dieser Insekten als Nahrung angewiesen sind, z. B viele Vogelarten. So k√∂nnen Meisen in Gebieten mit vielen invasiven Neophyten regelm√§√üig wesentlich weniger Jungtiere gro√üziehen als in Gegenden mit heimischer Flora (m√ľndliche Mitteilung von Dr. Fritz Ludescher, ehem. √Ėkologe an der Essener Uni). Die auch Biodiversit√§t genannte Artenvielfalt ist ein wichtiger Faktor f√ľr die Stabilit√§t eines √Ėkosystems: Eine geringe Artenvielfalt f√ľhrt zu starken Schwankungen im Bestand der einzelnen Arten und kann dar√ľber hinaus Arten zum Aussterben bringen.

Von den etwa 50 Arten, die als invasive Neophyten bezeichnet werden, bek√§mpft der AkU drei Arten. Diese drei Arten bevorzugen feuchte Standorte in Bach- und Flussauen. Es sind dies die Herkulesstaude, das Dr√ľsige Springkraut und der Japanische Staudenkn√∂terich, der auch an trockeneren Standorten wie zum Beispiel an Stra√üenr√§ndern und Eisenbahnb√∂schungen w√§chst.

Auf Grund der Verdr√§ngungseffekte einheimischer Pflanzen ist die Bek√§mpfung dieser drei Arten insbesondere in Naturschutzgebieten sinnvoll, aber nur mit gro√üem Aufwand durchzuf√ľhren. Alle drei Arten brauchen sonnige Standorte. Das Anpflanzen von gr√∂√üeren B√§umen, die m√∂glichst bald ein geschlossenes Kronendach bilden, kann diese Neophyten zur√ľckdr√§ngen. Ansonsten ist das Ausgraben oder Ausrei√üen die beste Beseitigungsm√∂glichkeit.

Nachdem der AkU bereits in den 90iger Jahren Herkulesstauden bek√§mpft hat, f√ľhrt er seit 2004 in Absprache mit den zust√§ndigen Beh√∂rden regelm√§√üige Bek√§mpfungsma√ünahmen und Kontrollen, insbesondere in Bochumer Naturschutzgebieten, durch. Hierf√ľr sind jederzeit HelferInnen erw√ľnscht, auch wenn diese nur gelegentlich mitmachen k√∂nnen. Wenn Sie Standorte des Dr√ľsigen Springkrautes und der Herkulesstaude au√üerhalb der Ruhraue kennen, teilen Sie uns diese doch bitte mit.

Damit ist klar: Eine Aussaat oder ein Auspflanzen dieser Arten ist nicht sinnvoll, sondern aus oben genannten Gr√ľnden sogar verboten.

Gem√§√ü Artikel 8 h) des √úbereinkommens √ľber die Biologische Vielfalt muss das Einbringen solcher Arten verhindert und bereits etablierte Arten kontrolliert oder beseitigt werden.

¬ß 40 Bundesnaturschutzgesetz: Nichtheimische, gebietsfremde und invasive Arten(1) Es sind geeignete Ma√ünahmen zu treffen, um einer Gef√§hrdung von √Ėkosystemen, Biotopen und Arten durch Tiere und Pflanzen nichtheimischer oder invasiver Arten entgegenzuwirken.

(4) Das Ausbringen von Pflanzen gebietsfremder Arten in der freien Natur sowie von Tieren bedarf der Genehmigung der zust√§ndigen Beh√∂rde.¬†……. Die Genehmigung ist zu versagen, wenn eine Gef√§hrdung von √Ėkosystemen, Biotopen oder Arten der Mitgliedstaaten nicht auszuschlie√üen ist.

Hierzu das Landesamt f√ľr Natur, Umwelt und Verbraucherschutz: Nach ¬ß 61(3) Landschaftsgesetz d√ľrfen gebietsfremde Pflanzen wild lebender und nicht wild lebender Arten nur mit Genehmigung der H√∂heren Landschaftsbeh√∂rde in der freien Natur angesiedelt werden. Die Genehmigung ist hier zu versagen, weil durch invasive Neophyten eine Gef√§hrdung des Bestandes oder der Verbreitung heimischer wild lebender Pflanzenarten oder von Populationen nicht auszuschlie√üen ist.

Es gibt auch Tierarten, welche durch menschlichen Einfluss bei uns angesiedelt wurden. Hier sind z. B. der Waschb√§r, das Nutria, die Kanadagans, die Regenbogenforelle und der Graskarpfen sowie viele Insektenarten zu nennen. All diese Tiere bezeichnet man als Neozoen. Neobiota ist der √ľbergeordnete Name gleichzeitig f√ľr Neophyten und Neozoen.