4. Agenda-Leitlinien

Der Rat der Stadt Bochum hat am 28.06.2001 die folgenden vom Arbeitskreis Leitbild erstellten zweiundzwanzig Agenda-Leitlinien beschossen.

  1. Jede BĂŒrgerin und jeder BĂŒrger hat Zugang zu hochwertiger Nahrung, sauberem Wasser, Obdach und Energie zu einem sozioökonomisch vertrĂ€glichen und umweltgerechten Preis.
  2. Jede BĂŒrgerin und jeder BĂŒrger hat die Möglichkeit, eine befriedigende und fair bezahlte Arbeit auszuĂŒben und mindestens ein existenzsicherndes Einkommen zu erzielen. Gesellschaftlich notwendige Arbeit und mögliche Muße sind gerecht verteilt. Der Wert unbezahlter Arbeit wird geachtet. Bezahlte und unbezahlte Arbeitsleistungen werden geschlechtergerecht verteilt.
  3. Der derzeitige Wirtschafts- und Lebensstil in der Ersten Welt, also auch in Bochum, ist nur möglich durch eine erhebliche Überbeanspruchung der natĂŒrlichen Lebensgrundlagen und auf Kosten der Mitmenschen insbesondere in den armen Regionen der Erde. Wir sind bereit, unseren Beitrag dazu zu leisten, durch Änderungen unseres Wirtschafts- und Lebensstils dieses Ungleichgewicht abzubauen und auszugleichen.
  4. Jede/r von uns ĂŒberprĂŒft ihr/sein Handeln, ob es dem Anderen und seiner Umwelt schadet. Die Freiheit des Einzelnen reicht bis zu den Grenzen der Freiheit des NĂ€chsten. Der NĂ€chste ist der MitbĂŒrger in der Kommune, der Region, des Landes, der europĂ€ischen und globalen Gemeinschaft.
  5. Die Umweltbelastung wird auf ein Maß begrenzt, das die natĂŒrlichen Systeme, einschließlich der Gesundheit, nicht gefĂ€hrdet. Insbesondere wird die Stadt Bochum – als Mitglied im KlimaschutzbĂŒndnis der StĂ€dte – im Rahmen ihrer Handlungsmöglichkeiten ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten. In diesem Sinne setzen wir uns fĂŒr die frĂŒhzeitige Verwendung neuer Technologien und Anwendungen ein und fördern sie.
  6. Die Gesundheit wird gewahrt und gefördert durch soziale Sicherheit, eine schöne und intakte Umwelt und ein Gesundheitssystem, das Vorsorge und Versorgung einschließt.
  7. Die Nutzung der nicht erneuerbaren Ressourcen orientiert sich an ihrer Knappheit. Sie verlangt bei gleichberechtigtem Zugang aller Menschen jetzt und in Zukunft einen restriktiven, schonenden Einsatz. Erneuerbare Ressourcen werden bevorzugt und alle Ressourcen werden effizient genutzt. Abfall wird soweit wie möglich vermieden.
  8. Die Inanspruchnahme von FlĂ€chen, insbesondere FreiflĂ€chen, fĂŒr die Bereiche Wohnen, Wirtschaften, Verkehr und Freizeit nimmt RĂŒcksicht auf das ökologische Gleichgewicht sowie auf die NutzungsansprĂŒche zukĂŒnftiger Generationen.
  9. Eine ausgewogene Siedlungsstruktur mit einer kleinrÀumigen Mischung der Funktionen Wohnen, Arbeit, Erholung und Freizeit trÀgt zu einer Verringerung der MobilitÀtszwÀnge und zu einem verÀnderten, an Nachhaltigkeit orientierten MobilitÀtsverhalten bei.
  10. FĂŒr die Bochumer Pflanzen- und Tierwelt werden ausreichend große LebensrĂ€ume erhalten oder wiederhergestellt, so dass fĂŒr alle Arten ein langfristiges Überleben gesichert ist.
    Hinweis: Der AkU hat zur Leitlinie 10 einen Indikatoren-Vorschlag gemacht.
  11. Nachhaltiges Wirtschaften schließt ein, dass die Stadt Bochum beim öffentlichen Haushalt eine ausgeglichene HaushaltsfĂŒhrung anstrebt.
  12. Zur dauerhaften Sicherung der Existenzgrundlagen aller Menschen in Bochum ist die Situation in Not und Armut lebender Menschen zu ĂŒberwinden.
  13. Lokale BedĂŒrfnisse werden, soweit es möglich ist, lokal befriedigt. Ein hoher Grad an regionaler Versorgung wird angestrebt. Die Stadt Bochum ist bestrebt, einen vielfĂ€ltigen Branchenmix aus Produktions-, Handels- und Dienstleistungsbetrieben anzusiedeln, um so die Grundlagen fĂŒr ein breitgefĂ€chertes Arbeitsplatzangebot zu schaffen.
  14. Die Stadt Bochum ist an der Entwicklung und Umsetzung neuer, zukunftsfĂ€higer Verfahren, Produkte und Dienstleistungen, die sich an den Prinzipien der Nachhaltigkeit orientieren, interessiert. Die Unternehmen in Bochum und ihre Tochterfirmen an anderen Standorten berĂŒcksichtigen die Nachhaltigkeit bei der Auftragsvergabe als zusĂ€tzlichen Aspekt.
  15. In Bochum werden unternehmerisches Engagement, Initiative, LeistungsfÀhigkeit, KreativitÀt, LernfÀhigkeit, Eigen- und Mitverantwortung, Vielfalt gefordert und gefördert. Alle Interessengruppen stellen sich der steten Herausforderung des Wandels.
  16. Die IdentitĂ€t der Stadtteile mit ihrer Vielfalt und Charakteristik ist anzuerkennen und zu stĂ€rken. Eine bedarfsgerechte Infrastruktur ist zu erhalten und zu fördern. RĂ€ume und GegenstĂ€nde kombinieren ZweckmĂ€ĂŸigkeit und Ästhetik. PlĂ€tze werden wieder stĂ€rker als öffentlicher Lebensraum genutzt.
  17. Siedlungsstruktur und Stadtkultur begĂŒnstigen soziale Kontakte, zum Beispiel zwischen Alten und Jungen, Behinderten und Nichtbehinderten, Kranken und Gesunden, AuslĂ€ndern und Einheimischen und zwischen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen.
  18. Arbeit, Kultur, Freizeit und Muße stehen allen offen. Jede und jeder hat Zugang zu Bildung und Information, die er/sie benötigt. Im Sinne von lebenslangem Lernen werden Politik , Verwaltung und Wirtschaft in Bochum ihrerseits alles unternehmen, um Erstausbildung effizienter und Weiterbildung intensiver und systematischer zu gestalten.
  19. Die Bereitschaft und das Vermögen aller BĂŒrgerinnen und BĂŒrger, sich an öffentlichen Entscheidungen zu beteiligen, werden nach KrĂ€ften gefördert. Voraussetzung dafĂŒr sind Transparenz und BĂŒrgernĂ€he bei der Entscheidungsvorbereitung.
  20. Die Menschen können in Bochum ohne Angst vor Gewalt oder Verfolgung aufgrund ihres Glaubens, ihrer sozialen und ethnischen Herkunft und ihres Geschlechts leben.
  21. Chancengleichheit und Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern ist durchgĂ€ngiges Leitprinzip und wird bei allen Entscheidungen und Maßnahmen gefördert.
  22. Lokale Probleme werden – so weit es möglich ist – lokal gelöst (steht bereits in Leitlinie 13).

Der Rat der Stadt Bochum hat am 31.08.2006, also nach ĂŒber fĂŒnf Jahren, das Bochumer Indikatoren-Set verabschiedet. Dies geschah nach langem Widerstand der OberbĂŒrgermeisterin Frau Dr. Ottilie Scholz mit ihrer Zustimmung. Das Bochumer Indikatoren-Set muss als oberflĂ€chliches Schmalspur-Indikatoren-Set beurteilt werden, da es in der Regel nur zwei Indikatoren pro Leitlinie umfasst und damit kaum geeignet ist, das Handeln der Bochumer Politik und Stadtverwaltung auf seine ZukunftsfĂ€higkeit zu beurteilen. Allerdings lĂ€sst der Ratsbeschluss eine Ausweitung ausdrĂŒcklich zu.

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2 Gedanken zu „4. Agenda-Leitlinien

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