Amphibienschutz

Anfrage von Ingo Franke, AkU-Vertreter im Beirat vom 5.4.04: Ich bitte um Sachstandsbericht bezüglich der Erarbeitung und Umsetzung eines Artenschutzkonzeptes für den Kammmolch und die Geburtshelferkröte.

Die Antwort des Umweltamtes der Stadt Bochum

Erarbeitung und Umsetzung eines Artenschutzkonzeptes für den Kammmolch und die Geburtshelferkröte – Anfrage von Herrn Dr. Franke vom 05.01.2004 per E-Mail.
Zum Thema Amphibienschutz und Artenhilfskonzepte für Kammmolch und Geburtshelferkröte teilt die Biologische Station östliches Ruhrgebiet Folgendes mit:
Artenhilfskonzepte für in Bochum gefährdete Amphibienarten wie z.B. den Kammmolch und die Geburtshelferkröte erscheinen aus unserer Sicht wegen des damit verbundenen hohen Aufwandes bei völlig unklaren Erfolgsaussichten als nicht sinnvoll. Genaue Bestandsaufnahmen der schwer nachweisbaren Arten sind an den infrage kommenden Gewässern nahezu aussichtslos und wären jedenfalls mit hohem Aufwand über mehrere Jahre verbunden, der bei anderen Projekten fehlen würde. Selbst wenn die Bestände genau bekannt wären, lassen sich im Normalfall daraus keine gezielten Handlungsvorgaben ableiten, die sich unmittelbar aufdrängenden Maßnahmen an den Gewässern nach Augenschein – durchgeführt von einem einigermaßen qualifizierten Bearbeiter – unterscheiden ließen. Auch wenn die Maßnahmen klar sind, ist in der Regel das weitaus schwieriger zu lösende Problem ihre Umsetzung. Eine Sicherung gefährdeter privater Gewässer durch die Stadt Bochum – etwa mit ordnungsbehördlichen Mitteln – ist in der Regel aussichtslos und wird in vielen Fällen geradezu kontraproduktiv wirken. Finanzielle Anreize in einer auch für nicht bereits aufgeschlossene Eigentümer interessanten Größenordnung können weder die Biologische Station noch die Stadt Bochum anbieten. Zu erwarten wären hier reine Mitnahmeeffekte. Das Geld würde für Gewässer, deren Zerstörung ohnehin nicht ansteht, gern genommen. Es würde aber nicht ausreichen, gefährdete Gewässer zu erhalten.
Handlungskonzepte, die darüber hinaus auch die Landlebensräume und mögliche Verinselungs- bzw. Biotpoverbundsstrategien mit einbeziehen würden, erscheinen unter den gegebenen Rahmenbedingungen noch utopischer.
Die Biologische Station versucht deshalb seit einigen Jahren, Handlungskonzepte für bekannte Laichgewässer im Stadtgebiet aufzustellen, um die gegebenenfalls sinnvollen Maßnahmen zu benennen und – wenn finanzierbar und vom Eigentümer her machbar – auch umzusetzen. Entsprechende Bemühungen sind mit der Stadt Bochum abgestimmt und auch den ehrenamtlichen Naturschutzverbänden bekannt.
Die Aufstellung eines Konzeptes, dessen Umsetzung bereits bei Aufstellung völlig ungeklärt ist, erscheint uns weder für die Biologische Station noch für die Stadt Bochum sinnvoll. Unserer Ansicht nach sollten die immer knapper werdenden Naturschutzmittel auf Bereiche konzentriert werden, in denen auch Erfolge absehbar sind.
Die untere Landschaftsbehörde teilt diese Einschätzung der Biologischen Station.

Daraufhin ergriff der AkU selbst die Initiative: Er untersuchte im Frühjahr 2005 den Teich, in dem Burkhard Thiesmeier Anfang der 1980er Jahre Kammmolche nachgewiesen hatte. Gleichzeitig erhob er die dortigen Bestände der Geburtshelferkröte (beide Arten kommen dort noch vor). Hierfür unterbreitete er dem städtischen Grünflächenamt ein Angebot und erhielt einen entsprechenden Auftrag.
Im Raum Langendreer beteiligte er sich im Frühjahr 2005 an einer Erhebung der Amphibienbestände durch Guido Weber, einem ausgewiesenem Amphibienexperten, vom Planungsbüro WeLuGa. In einem Gutachten wurde Vorschläge zur Verbesserung der Lebenssituation der dortigen Amphibien (Erdkröte, Berg- und Teichmolch sowie Grasfrosch, die Kreuzkröte ist dort ausgestorben.). Eine Kontrolle aller von Thiesmeier beschriebenen Amphibienvorkommen hält der AkU weiterhin für notwendig, um dem Aussterben von einzelnen Populationen entgegenwirken zu können. Hierzu wären regelmäßige Erhebungen im Abstand von einigen Jahren – zumindest bei den in Bochum stark gefährdeten Arten – notwendig.

In der Sitzung des neu gewählten Beirates am 25.01.05 stellt der AkU folgende Anfrage: Ich bitte um Mitteilung über die geplanten Amphibienschutzmaßnahmen des Jahres 2005. Insbesondere hätte ich gerne gewusst, wie die Straßensperre am Stalleikenweg endlich für den gesamten Zeitraum der Amphibienwanderung durchgesetzt werden soll. Ferner möchte ich wissen, ob die Kartierung von Geburtshelferkröten an den alten Standorten als Voraussetzung für die Einleitung von Schutzmaßnahmen beauftragt wurde.

Die Antwort des Umweltamtes der Stadt Bochum

a) Geplante Amphibienschutzmaßnahmen des Jahres 2005
Wie in den vergangenen Jahren sollen auch in diesem Jahr Amphibienschutzmaßnahmen während der Laichwanderung durchgeführt werden. Die Koordinierung, Betreuung und Durchführung der Maßnahmen erfolgt durch das Grünflächenamt. Umfang, Zeitraum und Standorte der Maßnahmen sind der als Anlage beigefügten Aufforderung an das Straßenverkehrsamt zwecks Aufstellung der erforderlichen Schilder und Sperrböcke zu entnehmen. Hinweis: Die in der Anlage benannten Standorte der Maßnahmen werden aus Gründen des Schutzes der Tiere hier nicht aufgeführt. Es handelt sich um Straßensperren an sieben Stellen (die am Stalleickenweg sollte auf Antrag des AkU eingerichtet werden und nach Beschluß der Bezirksvertretung zum Schutz von Fußgängern und Fahrradfahrern ganzjährig bestehen. Die Sperrpfosten werden aber ständig unbefugt entfernt: s. u.). An vier Stellen werden von Zivildienstleistenden des Grünflächenamtes Fangzäune und Eimer eingegraben und die Tiere abends und morgens über die Straße getragen. An sieben weiteren Stellen weisen Schilder auf Krötenwanderungen hin und bitten um langsame Fahrweise.

Hinweis: Diese Maßnahmen dienen überwiegend dem Schutz der Erdkröte, der häufigsten Amphibienart in Bochum. Teilweise werden auch Berg- und seltener Teichmolche durch diese Maßnahmen vor dem Überfahrenwerden geschützt. Wichtig wären zusätzliche Schutzmaßnahmen für die Amphibienarten, die in Bochum vom Aussterben bedroht sind (z. B. Kammmolch, Geburtshelferkröte, Grasfrosch) und die von den oben beschriebenen Maßnahmen nicht oder nur unwesendtlich profitieren.

b) Straßensperre am Stalleickenweg
Der Stalleickenweg ist eigentlich ganzjährig gesperrt. Die Straße ist in Höhe der Bahnlinie und der Fischteiche durch Sperrpfosten in zwei Sackgassenbereiche geteilt worden. Leider wird die Sperrung von den Autofahrern nicht akzeptiert. Die Straße wird benutzt

  • von einigen Autofahrern als Abkürzung oder Schleichweg,
  • von dem dort tätigen Landwirt, der sich damals massiv gegen die Sperrung gewehrt hatte,
  • von den Anglern.

Das Grünflächenamt hat in der Vergangenheit zur Zeit der Krötenwanderung die Staße täglich versucht abzusperren. Aber beinahe täglich wurden die Pfosten entwendet oder so zerstört, dass ein Einbau nicht mehr möglich war. Die Bodenhülsen sind nicht mehr zu benutzen. Aus Kostengründen sind die ständigen Reparaturen nicht tragbar. Ein Ortstermin mit den Naturschutzverbänden, dem Tiefbauamt und dem Grünflächenamt führte zu keiner praktikablen Lösung. Maßnahmen zum Schutz der Amphibien:

Der Pachtvertrag für die Fischteiche Am Hosiepen wurde zum 31.12.04 gekündigt. Die Angler werden also nicht mehr mit ihrem PKW vor Ort sein. An mehreren Tagen waren Mitarbeiter des Grünflächenamtes in den Abendstunden vor Ort und haben insgesamt 450 Amphibien über die Straße getragen. In dieser Zeit fuhr kein PKW durch die Straße. Zu mindestens in den Abendstunden scheint die Straße zur Zeit wenig benutzt zu werden. Ein klärendes Gespräch mit dem Landwirt wird in Kürze stattfinden.

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