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Neues zum Igelschutz.
Neues aus dem Bochumer Agenda-Prozess – Arbeitsgruppen zum Natur- und Klimaschutz gegründet.
Das UZ-Märchen
Diese Geschichte stammt von der Bochumer Autorin Verena Liebers
und wurde für das Eröffnungsfest des Bochumer Umweltzentrums geschrieben.
Zur Website von
Verena Liebers …
Pipistrella und das Fahrrad
Es war einmal eine Fledermaus, die hatte sich mit einem Fahrrad befreundet. Sie wohnte in einem Dachstuhl, mit ein paar anderen Fledermäusen zusammen und jedes Mal wenn sie durch die Lücke der Ziegelsteine in das Haus einflog fiel ihr das Fahrrad auf, das an der Mauer unter dem Dachvorsprung lehnte. Sommer wie Winter stand es dort und wurde offensichtlich wenig benutzt.
Schließlich sprach die Fledermaus das Fahrrad an: Sag mal
was machst Du da eigentlich?
Ich warte auf bessere Zeiten
antwortete das Fahrrad und das klang
ziemlich deprimiert. Soso, was heißt denn das?
fragte die
Fledermaus verwundert.
Ach ich weiß auch nicht
seufzte das Fahrrad. Vielleicht wenn
sie die Innenstadt ganz und gar für Autos schließen, vielleicht
bekomme ich dann endlich mal wieder Bewegung. Ich habe ja seit Monaten
nichts als diese Hausmauer gesehen!
Das ist wirklich schrecklich
stimmte die Fledermaus mitfühlend
zu. Aber weißt Du, ich habe es auch nicht leicht!
Wieso denn?
brummte das Fahrrad. Du kannst doch frei herum fliegen
wohin Du willst, das muss doch wunderschön sein!
Ja schon!
antwortete das Tier. Aber wer viel fliegt braucht auch
viel Treibstoff!
Sag bloß du bist auch Benzin-betrieben wie diese stinkenden
Autos?
knarrte jetzt das Fahrrad.
Nein, nein das nicht
, kicherte die Fledermaus. Aber ich brauche
jede Menge Insekten als Futter, jede Nacht ungefähr ein Drittel
meines Körpergewichts.
Oh, das ist in der Tat sehr viel
, staunte das Fahrrad. Da sieht
man mal, was ich eigentlich für ein genügsamer Zeitgenosse
bin. Wenn ich jede Nacht zwei Fahrradreifen, eine Kette und einen
Bremszug fressen würde, dann hätte ich sicherlich gar keine
Chance!
Was frisst DU denn
fragte die Fledermaus neugierig. Unterdessen
war sie am Fahrradlenker gelandet und hing mit dem Kopf nach unten,
direkt vor der Fahrradlampe.
Im Grunde fresse ich nur ein bisschen Luft und Öl.
Hm
sagte die Fledermaus, rümpfte die Nase und weil ihr nichts
anderes mehr einfiel fügte sie noch hinzu: Übrigens heiße
ich Pipistrella.
Angenehm
klapperte das Fahrrad. Ich habe leider keinen Namen oder
zumindest kenne ich ihn nicht. Es spricht ja eigentlich niemand mit
mir.
Und das klang jetzt wieder sehr traurig.
Mit diesem Gespräch fing es also an und von da an trafen sie sich immer öfter, die Fledermaus und das Fahrrad. Pipistrella erzählte was sie so sah, das Fahrrad ohne Namen hörte zu, freute sich und schließlich hatte es sogar eine wunderbare Idee: Jeden Abend schaltete es sein Fahrradlicht ein und es dauerte nicht lange da schwirrten im Lichterschein ein paar Insekten, die Pipistrella zielgerichtet erbeutete. Fragt mich nicht, wie es das Fahrrad geschafft hat, sein Licht so ganz alleine einzuschalten, das weiß ich auch nicht. Aber wo ein Wille ist, ist eben auch ein Weg.
Eines Tages geschah jedoch etwas noch außergewöhnlicheres.
Der Fahrradbesitzer bekam Besuch und der Besuch sagte: Machen wir
doch mal eine Radtour. Der ADFC organisiert da eine Menge toller Sachen!
Aber ich habe nur diese Rostlaube
antwortete der Fahrradbesitzer
und zeigte auf das Fahrrad ohne Namen, das sich jetzt dachte Aha,
ich heiße also Rostlaube.
Das war immerhin besser als gar kein
Name.
Das ist doch nicht schlecht
meinte der Besuch als er das Fahrrad
sah, dessen Rost daraufhin gleich ein bisschen röter wurde. Du
kannst das auch gut zum Einkaufen verwenden, in der Stadt bist Du
mit Fahrrad viel schneller als mit dem Auto und Du musst niemals einen
Parkplatz suchen
fuhr der Besuch fort und die Rostlaube spitzte ihre
Kettenblätter, damit sie auch jedes Wort hörte. Der Fahrradbesitzer
klang aber immer noch skeptisch: Ich habe oft so schweres Gepäck,
das kann ich unmöglich auf den Gepäckträger klemmen.
Aber der Besucher war um keine Antwort verlegen: Es gibt da wunderbare
Fahrradtaschen. Ich kaufe mittwochs im Umweltzentrum immer einen ganzen
Kasten Apfelsaft und auch das hat nie Probleme gemacht.
Tja, und so kam es schließlich, dass die Rostlaube wieder geschrubbt wurde bis sie aussah wie ein Silberpfeil, neue Gepäcktaschen bekam und dann auch regelmäßig Ausflüge machte. Dabei hatte der Silberpfeil viel Spaß, der einzige Nachteil war, dass er nicht mehr so oft Insekten für Pipistrella anlocken konnte. Und so geschah es schließlich, dass es für Pipistrella irgendwann doch zu anstrengend wurde, da fiel sie einfach vom Dach, direkt dem Fahrradbesitzer vor die Füße. Der war ja aber zum Glück ein netter Mensch, hob das Tier auf und fuhr mit ihm direkt ins Umweltzentrum. Dort bekam die Fledermaus Wasser und so viele Mehlwürmer wie sie schaffen konnte, dann durfte sie wieder fliegen. Natürlich erzählte sie am nächsten Abend der Rostlaube, die jetzt Silberpfeil hieß, von ihrem Abenteuer.
Du liebe Zeit
sagte Pipistrella. Das war ja vielleicht eine aufregende
Sache, so eine Schaukelei in einem dunklen Karton und lauter fremde
Geräusche – ich kam ganz durcheinander!
Ach Du Schreck
meinte Silberpfeil und wackelte mit seinem Fahrradlicht,
dann war das wohl eine ziemlich beschwerliche Sache?
Ach na ja
antwortete Pippistella, die unterdessen schon wieder
ganz munter am Fahrradlenker baumelte. Immerhin habe ich so wenigstens
das Umweltzentrum mal kennen gelernt. Das hätte sich schon eher
gelohnt. Denn eins sage ich Dir: Die Mehlwürmer da sind wirklich
vom feinsten!
Und so standen sie dann noch den ganzen Abend, die Fledermaus und das Fahrrad, und plauderten über das Umweltzentrum. Und wenn sie nicht sterben sollen, die Fledermaus und das Fahrrad, dann haben hoffentlich noch viele andere gehört, dass es das Umweltzentrum gibt!
